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Geschichte Kalterherbergs

Grundlage einer Ortsgeschichte Kalterherbergs ist bis heute das 1938 von einem Kalterherberger Sohn, dem Pfarrer Josef Conrads, verfasste Buch "Das Venndorf Kalterherberg mit dem Kloster Reichenstein", welches 1988 in einer vom Elmar Neuß kommentierten unveränderten Neuauflage erschienen ist.
Dieses Buch fusst, was die Anfänge der Ortsgeschichte von Kalterherberg angeht, im Wesentlichen auf der sogenannten "Copia" des Protokollbuches über die Besitztümer des früheren Klosters Reichenstein, dessen Original mit dem Brand des Klosterarchivs im Jahre 1543 verloren gegangen ist. Seine 100 Jahre nach dem Verlust aus dem Gedächtnis gemachten Aufzeichnungen sind also nur mit Vorbehalt zu genießen, lassen aber doch Rückschlüsse über den Ursprung des Ortes Kalterherberg zu.
Die älteste schriftliche Quelle findet sich in einer Urkunde aus dem Jahre 1334, bei der es um eine Geldrente für das Kloster Reichenstein geht (Kaldeherberich).
Die nächste Erwähnung findet sich in einer Aachener Stadtrechnung von 1385, bei der ein "Thijs von der Kalden Herberge" genannt wird.
Demnach kann man darauf schließen, dass der Ursprung des Ortes in einem einzelnen Haus - einer Herberge - liegt. Diese lag sicherlich am heutigen Messeweg, der ein Teil des Pilgerweges von Aachen nach Trier war, der in umgekehrter Richtung die Pilger von der Mosel nach Aachen brachte.
Auch das Kloster Reichenstein besass freilich schon seit seiner Gründung im 11. Jahrhundert vor dem Kloster eine Pilgerherberge, das "Weinhaus" genannt, für die die neue Herberge auf dem Höhenrücken vor dem Kloster natürlich eine lästige Konkurrenz dargestellt haben mag. Diese wurde von den Klosterfrauen abfällig als "Kalte Herberge" bezeichnet, woraus schließlich der spätere Ortsname wurde.
E. Neuß weist in seinem Kommentar zu Recht darauf hin, dass die erste schriftliche Erwähnung des Ortsnamen Kalterherberg im Jahre 1334 nicht identisch mit der Ortsgründung sein muss, sondern dass diese im Zusammenhang mit der Aufteilung des Monschauer Landes in das sog. Feld - und Waldgeleit gesehen werden muss, die 100 Jahre früher, im Jahre 1238 durch einen Vertrag geschehen ist, den die damaligen Landesherren, Walram I. von Monschau und Graf Wilhelm IV. von Jülich geschlossen haben. In diesem erhielt ersterer das Feldgeleit
(in dem die damals bereits besiedelten Gebiete im Norden um Konzen lagen), während letzterer das Waldgeleit im Süden erhielt, in dem die Burg Monschau und auch das um 1130 gegründete Kloster Reichenstein liegen).
Beim Abschluss dieses Vertrages mag die "Kalte Herberge" bereits bestanden haben. Vermutlich ist um dieses einzelne Haus als Siedlungskern in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts der Ort Kalterherberg im Zuge der umfangreichen Rodungen entstanden, die auf den Höhenrücken beidseits der Rur zu dieser Zeit stattgefunden haben. Dies wird auch durch die Ersterwähnung der Orte Höfen, Imgenbroich und Mützenich (jeweils 1361) bzw. Rohren (1521/22) bestätigt, die jeweils durch Rodungen im Waldgeleit entstanden sind.

Nach J. Conrads ist das älteste Haus Kalterherbergs ein Haus an der höchsten Stelle des Messeweges, das Haus von "Mizze Klößsche", vielleicht an der Stelle, an der sich die erste "Kalte Herberge" befand. (...wird fortgesetzt)


1687 1987
VOR 300 JAHREN DER ERSTE SEELSORGER FÜR KALTERHERBERG

Vorbemerkung
Der nachfolgende Beitrag stammt aus dem Pfarrbrief der Pfarre St. Lambertus Kalterherberg, Nr. 19 des 15. Jahrgangs vom 20. September 1987, in dem das 300jährige Patrocinium der Pfarre ausführlich gewürdigt wurde. Leider ist der Verfasser - vermutlich ein Mitglied des damaligen Kirchenvorstandes oder Pastor A. de Goede m. s. c. - nicht bekannt.Das Titelblatt dieses Pfarrbriefs ist nachstehend abgebildet  

Pfarrbrief

Im Jahre 1687 übertrug das Aachener Kapitel als Patron der Konzener Mutterkirche mit Zustimmung des Kölner Erzbischofs dem Weltpriester Matthias Thomasius die Seelsorge in Kalterherberg. Damit hatte Kalterherberg schon recht früh seinen eigenen Priester, der auch hier wohnte, während die meisten anderen Ortschaften des Monschauer Landes noch vom Kloster Reichenstein seelsorgerisch betreut wurden. Ehe Matthias Thomasius nach Kalterherberg kam, hatten Reichensteiner Mönche im Auftrage des Konzener Pfarrers nahezu 150 Jahre das Dorf priesterlich betreut, denn der Weg nach Konzen war bei den damaligen Witterungsverhältnissen , vor allem im Winter, nahezu unmöglich. Hinzu kamen häufige Seuchen und Kriegszeiten, während denen die Kalterherberger nur allzu oft Trost und Hilfe eines Priesters brauchten. Reichenstein lag nahe, und die Priester des Klosters spendeten in Kalterherberg die notwendigen Sakramente und lasen in der Kapelle regelmäßig die Heilige Messe. Stephan Horrichem, von 1639 - 1686 Prior des Klosters Reichenstein, īder Apostel des Vennsī genannt, ist durch sein Wirken fest mit der Geschichte Kalterherbergs verbunden. Die erste Hälfte seiner Amtsperiode fällt in den 30-jährigen Krieg, der auch die Eifel verwüstete. Stephan Horrichem tröstete die Menschen des Monschauer Landes in ihrer Verzweiflung, half ihnen mit eigener Hand, zuweilen als einfacher Bauer verkleidet, beim Aufbau ihrer zerstörten Höfe und förderte mit den finanziellen Mitteln Reichensteins den Bau von Kirchen im Monschauer Land.

Am 15. Dezember 1648, fast zwei Monate nach der Verkündigung des Westfälischen Friedens, dem offiziellen Ende des Krieges, drangen lothringische Söldnerbanden ins Monschauer Land ein. Zahlreiche nordeifeler Männer hatten sich auf dem Kalterherberger Friedhof verschanzt. 56 von ihnen fanden den Tod, noch mehr wurden verwundet und verschleppt. Stephan Horrichem ließ die Verwundeten und Sterbenden nicht im Stich und half ihnen, obwohl selbst vom Tode bedroht, so gut er konnte.

1913 ließ Pfarrer Arnoldy eine Statue Stephan Horrichems anfertigen. Sie steht heute auf dem Vorplatz der Kirche. Auch das Kreuz auf der Richelsley wurde durch Arnoldys Initiative 1890 zu Erinnerung an Stephan Horrichem errichtet.

Noch ehe Matthias Thomasius als erster Weltgeistlicher seinen Wohnsitz in Kalterherberg nahm, war das Dorf bereits selbständiges Rektorat. Erst ab 1793 wurde der in Kalterherberg wohnende Weltpriester auch Rektor. Manche Amtsgeschäfte durfte zunächst nur der Pfarrer von Konzen ausüben. Das Taufwasser erhielt die Kalterherberger Gemeinde von der Mutterkirche in Konzen. Im Übrigen waren auch weiterhin häufig Mönche aus Reichenstein in Kalterherberg seelsorgerisch tätig, vor allem dann, wenn der Rektor aus Alters- und Krankheitsgründen in der Ausübung seines Amtes behindert war. Das führte gelegentlich zu Unstimmigkeiten mit den Pfarrern von Konzen. Im Jahre 1753 wurde den Kalterherbergern vom Kölner Erzbischof zugestanden, sich selbst ihren Rektor auf Lebenszeit zu wählen. Der Rektor durfte u. a. fortan Trauungen vornehmen, die bis dahin zu den Kompetenzen des Pfarrers von Konzen gehörten.

Im Jahre 1804 wurde Johann Peter Ruhland der erste selbständige Pfarrer von Kalterherberg, nachdem er bereits über dreißig Jahre lang Rektor gewesen war. Für damalige Verhältnisse war Kalterherberg um 1800 bereits ein stattliches Dorf von über 1000 Einwohnern. In den 300 Jahren seit 1687 waren 19 Priester Rektoren bzw. Pfarrer in Kalterherberg. Einige hatten ihr Amt 40 bzw. 50 Jahre inne. Außerdem unterstützten seit 1750 bis in dieses Jahrhundert hinein 22 Kapläne die Rektoren und Pfarrer, da die Einwohnerzahl stetig wuchs, ein Prozeß, der bis heute noch anhält. Im Jahre 1816 lebten in Kalterherberg 1336 Menschen, um 1900 etwa 1500 und heute über 2400.

Im Jahre 1334 wurde das Dorf Kalterherberg erstmalig in einer Urkunde erwähnt, es bestand aber sicher schon lange vorher. Eine Kapelle besaß das Dorf seit etwa 1520. Diese Kapelle erhielt 1693 einen Turm. Das sehr kleine Gotteshaus erwies in der Folgezeit als zu klein, so daß es 1767 größtenteils abgerissen wurde. Die neue Kirche, aus Bruchsteinen gebaut, war ebenfalls nicht geräumig. Um die Jahrhundertwende zählte man an Sonntagen bis zu 1100 Kirchenbesucher in zwei Messen. Es gab kaum 90 Sitzplätze. Diese Kirche blieb bis zur Vollendung des Eifeldoms 1901 bestehen.



alte Pfarrkirche bis 1901

Von der Ausstattung der alten Kirche ist wenig erhalten. So wurde die prächtige Barockkanzel an die Stadt Aachen verkauft. (Anmerkung: sie befindet sich heute in der barocken Kirche St. Michael - Burtscheid in Aachen). In Kalterherberg blieb lediglich der alte Taufstein. Der Eifeldom, eines der größten Gotteshäuser der Nordeifel, ist seit seiner Erbauung das Wahrzeichen Kalterherbergs. Er überdauerte den zweiten Weltkrieg. Dennoch mußten unlängst sein Schieferdach und einige Fenster in den Türmen erneuert werden. Es bedürfte allerdings auch einer gründlichen Renovierung seines Inneren, was sich vielleicht in nicht allzu ferner Zukunft realisieren läßt.

Wir wollen am Sonntag der Großkirmes 1987 in einem festlichen Hochamt dankbar der 300 Jahre gedenken, in denen Kalterherberg eine eigenständige Kirchengemeinde ist. (Die historischen Daten sind entnommen aus dem Buch īDas Venndorf Kalterherberg mit dem Kloster Reichenstein' von Josef Conrads, Verlag J. Volk, Aachen 1939)

Alter Torfschuppen

Ruitzhof Steffens

Alte Pfarrkirche

Eifelhaus

Eifelhaus