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Kreuz im Venn

Kreuz im Venn
Verfasser: Franz Mertens
Das Kreuz im Venn auf der Richelsley

Vom Wanderparkplatz an der Reichensteiner Brücke zwischen Kalterherberg und Mützenich führt ein Wanderweg in den belgischen Staatsforst hinein. Auf dem Weg in Richtung Stellerholz und Pannensterzkopf führt dieser Weg nach wenigen Minuten über die Vennbahntrasse und von dort nach einem steilen Anstieg in gut einer Viertelstunde zur Richelsley. Das Sedimentgestein der Richelsley entstand in prähistorischer Zeit. Trotz aller widrigen Wettereinflüsse hat sich die mächtige Felsgruppe bis in unsere Zeit erhalten und überragt in 555 m NN deutlich das umliegende Gelände. Auf dem höchsten Punkt der Felsgruppe steht seit über 125 Jahren das Kreuz im Venn. Die Lourdesgrotte unterhalb des Kreuzes folgte nur wenige Jahre später. Deren Anfänge liegen auch schon über 122 Jahre zurück. Wer in Kalterherberg von der Richelsley spricht, meint damit meistens die Lourdesgrotte. Vom Kreuz ist seltener die Rede.

Pfarrer Arnoldy, Seelsorger in Kalterherberg von 1869 bis 1914, wollte zum Andenken an Prior Stephan Horrichem aus dem nahen Kloster Reichenstein ein Denkmal auf der Richelsley errichten. Stephan Horrichem wirkte von 1632 an 47 Jahre lang als Prior auf Reichenstein und hat in dieser Zeit viel Gutes für die Seelsorge im Monschauer Land getan. Arnoldy nannte ihn "Apostel des Monschauer Landes". Für ein Denkmal nach seinen Vorstellungen fehlte ihm aber das Geld. Statt des Denkmals hat Arnoldy schließlich 1890 für 800 Goldmark auf der Richelsley das Kreuz im Venn zur Erinnerung an Stephan Horrichem aufstellen lassen. Die Einweihung des Kreuzes erfolgte am 28.07.1890. In mehreren Quellen heißt es, das Kreuz sei aus Anlass der 200sten Wiederkehr seines Todestages errichtet worden. Stephan Horrichem verstarb am 12.08.1686. Sein 200ster Todestag lag also bei der Einweihung schon sechs Jahre zurück. Heute erinnert an Stephan Horrichem eine lebensgroße Statue in der Kirche im Eingangsbereich auf der Frauenseite. Lange Zeit stand die Statue auf dem Kirchengelände an der Ecke Malmedyer Straße und Arnoldystraße. Sie stand dort unmittelbar neben der das Kirchengelände umfassenden Mauer. Der Blick der Statue war auf Reichenstein gerichtet.
Anlässlich des silbernen Pfarrerjubiläums schenkte die Pfarrgemeinde Kalterherberg Arnoldy die Lourdesgrotte. Seit 1894 befindet sich eine Marienstatue in einer Felsnische unterhalb des Kreuzes.
Die Einweihung der Grotte erfolgte am 10.09.1894. An den Feierlichkeiten beteiligte sich damals das ganze Dorf. In seiner Ausgabe Nr. 37 vom 15.09.1894 berichtet das Montjoier Volksblatt in ausführlicher Form über dieses Ereignis. Auszugsweise folgen jetzt die wesentlichsten Punkte aus diesem Bericht:

Kalterherberg, 12. Sept. Ende voriger Woche und anfangs dieser Woche wurde hierselbst ein äußerst schönes Fest, das Fest des 25jährigen Pfarrer-Jubiläums unseres verehrten Pastors Arnoldy gefeiert. Samstag Abend wurde dem Jubilar ein Fackelzug dargebracht. Sonntags Morgen erinnerten Böllerschüsse und festliches Geläut schon früh an den festlichen Tag. Gegen 9 3/4 Uhr wurde der hochwürdige Jubilar von seiner Wohnung abgeholt und zur Kirche geführt, wo er ein festliches Hochamt celebrierte. Sein Vetter, der hochwürdige Herr Pastor Freyen, assistierte und zwei seiner hiesigen Schüler und früheren Pfarrkinder, die Herren Kapläne Mertens aus Wipperfürth und Henn aus Übach, ministrierten. Die Festpredigt hielt der Dominikanerpater Prümmer, ebenfalls ein Sohn unserer Pfarre. Um 1 Uhr fand unter reger Beteiligung der Pfarreingesessenen ein Festessen statt. Nach der festlichen Komplet fand eine zahlreich besuchte Festversammlung im Saale Hermanns statt, woselbst man in der fröhlichsten Stimmung bis ungefähr Mitternacht zusammenblieb. Den Glanzpunkt bildete eine Feier an der Richelsley, welche Montag Morgen stattfand. Die Pfarrangehörigen zogen prozessionsweise unter Begleitung sechs geistlicher Herren Morgens 9 Uhr zur Richelsley. Hier hielt Kaplan Lambertz aus Wissen, ebenfalls ein Sohn unserer Pfarre, eine ergreifende Predigt. Hierauf nahm der Jubilar die Einsegnung der Grotte vor und zum Schlusse sang das versammelte Volk in begeisterter Stimmung das Lied "Maria zu lieben". Der Jubilar dankte in sehr gerührter Weise den Pfarrangehörigen und sagte, dass er diese herrliche Stunde in seinem ganzen Leben nicht vergessen werde.

Das zur Entstehungsgeschichte vom Kreuz im Venn und der Lourdesgrotte. Das Kreuz ist aus Metall gearbeitet und hat eine Höhe von 9,50 m und eine Armbreite von 4,50 m. Ungefähr 500 Schrauben halten die 110 Einzelteile des Kreuzes zusammen. Sie setzen sich im Wesentlichen aus Stahlblechplatten, Winkel- und Flacheisen zusammen. Das Kreuz hat ein Gewicht von 1.338 kg. In der Fachliteratur wird es als Kleeblattkreuz beschrieben. Die Balkenenden an beiden Armen und dem Kopf sind in Form eines dreiblättrigen Kleeblattes ausgestaltet. Das Kreuz hat die beiden Weltkriege ohne Schäden überstanden. Die erste Marienstatue ist in den Kriegsjahren 1941 zerstört worden. Hubert David hat in Kevelar einen Ersatz besorgt, der heute noch in der Grotte steht.

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