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Geschichtlicher Abriss des Kloster Reichensteins Teil II

IV Umwandlung in ein Männerkloster des Prämonstratenserordens 1487
Daraufhin wurde das Nonnenkloster 1484 durch den damaligen Steinfelder Abt Reiner Hundt aus Euskirchen aufgelöst und im Jahre 1487 in ein Männerkloster des gleichen Ordens umgewandelt, das der Abtei Steinfeld unterstellt blieb. Diese Umwandlung sollte sich bald als segensreich erweisen, denn den Mönchen gelang nicht nur die Abtragung aller Schulden, sondern bald auch die Vergrößerung des Klosterbesitzes durch den Erwerb neuer Güter. Hinzu kommt, dass die Prämonstratenserpatres auch in der kirchlichen Seelsorge des Monschauer Landes stark eingebunden wurden. Sie verwalteten über viele Jahrzehnte Pfarrstellen in Monschau, Konzen, Eicherscheid, Kalterherberg und später auch im selbständig gewordenen Höfen. Neben der Seelsorge betätigten sie sich vielfach auch als Förderer und Erbauer von Kirchen in der Umgebung.
Jedoch ließ den nächste Katastrophe nicht lange auf sich warten: im Jahre 1543 wurde Kloster Reichenstein im Zuge des Geldrischen Erbfolgekrieges (zwischen dem Herzog Wilhelm von Jülich und dem deutschen Kaiser Karl V) durch brabantische Truppen unter Führung des Prinzen Renatus von Oranien, der den kaiserlichen Truppen von den Niederlanden aus zu Hilfe eilte, völlig zerstört, ebenso wie die Klosterhöfe Bredtbaum und Ruitzhof. Die Mönche konnten lediglich ihr nacktes Leben retten, das Kloster wurde niedergebrannt, wobei auch das gesamte Archiv verloren ging. Aber auch das gesamte Monschauer Land hatte unter den Kriegsfolgen arg gelitten, so wurde auch das Monschauer Schloß gestürmt und zerstört.
Schließlich kam das Herzogtum Jülich nach dem Aussterben der Manneslinie zu Beginn des 17. Jahrhunderts an den Pfalzgrafen von Neuerburg und den Kurfürsten von Brandenburg, die das Herzogtum zunächst gemeinsam verwalteten. 1666 schließlich ging das Herzogtum Jülich ganz in die Hände des Pfalzgrafen über.

V Phase des Wiederaufbaus nach der Zerstörung 1543
Nach der Katastrophe von 1543 begann man 1553 mit dem Wiederaufbau des Klosters Reichenstein, vielfach unterbrochen in den kriegerischen Zeiten bis nach dem Ende des 30.jährigen Krieges. Im Jahre 1691 wurde unter dem Prior Wilhelm Jacobi wurde das heutige Prioratsgebäude begonnen, 1692 der Grundstein für eine neue Kirche gelegt. Belohnt wurde der erfolgreiche Aufbau des Klosters schließlich 1714 durch die Erhebung des Klosters zur Probstei. Diese sollte dann noch 88 Jahre bestehen bleiben bis zur Aufhebung des Klosters während der französischen Besetzung der Rheinlande durch Regierungsdekret vom 9. Juni 1802, das dem Wirken der Mönche nach fast 700 Jahren ein plötzliches Ende bereitete. Die letzten Mönche mussten das Kloster innerhalb von 10 Tagen verlassen. (1798 hatte das Kloster Reichenstein noch 27 Insassen, darunter 8 Pastoren, 1 Benefiziaten und 7 Kapellanen; von diesen residierten tatsächlich 11 im Kloster).

VI Säkularisierung ab 1802
Nach 1802 verpachtete der französische Staat das Kloster Reichenstein samt Ländereien zunächst an den Monschauer Tuchfabrikanten Bernhard Böcking, der von der Mosel stammte und in der Monschauer Tuchfabrik von Bernhard Georg Scheibler als Lehrling anfing. Später konnte Böcking den Besitz ersteigern und er richtete in Reichenstein eine Spinnerei und ein Schafzucht mit spanischen Merinoschafen ein. Später nach 1815 wurde er der erste preußische Landrat. Der Versuch, Merinoschafe in dem rauen Vennklima einzugewöhnen, misslang gründlich und schließlich konnte Böcking die fälligen Raten für den Klostererwerb nicht mehr aufbringen und musste Konkurs anmelden. Darauf beging er 1824 in Aachen Selbstmord, wobei er eine Witwe mit 10 unmündigen Kindern hinterließ. 1836 kaufte der Gutsbesitzer Jakob Ahren von der Witwe Böckings das ehemalige Klostergut neben dem Hof Bredtbaum und errichtete neben der Landwirtschaft dort eine Brennerei, eine Molkerei, die u.a. auch den bekannten Limburger Käse produzierte. Nach dem Tode der Witwe Sophia Ahren geb. Engels übernahm im Jahre 1901 deren Neffe Engels den Betrieb. In den Händen der Familie Engels verblieb das Gut Reichenstein bis zum Jahre 1971. Dann kaufte die Familie Dr. Handschuhmacher Gut Reichenstein mit etwa etwa 70ha Land und in den folgenden 35 Jahren wurden die viele Jahrzehnte als Scheune dienende Kirche und auch wesentliche Teile der Klosteranlage wiederhergestellt.

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